Ich renne einem Macho hinterher
von Ilse Köhler

Für mein erstes Lama, den Pablo, wurde mir vom Verkäufer empfohlen, ihn als Einzeltier mit bei unseren fünf Schafen zu halten.
Pablo ignorierte die Schafsmädels völlig und konzentrierte sich auf Attila, den mächtigen Rhönbock in der kleinen Herde. Seine Liebe wurde natürlich nicht erwidert sondern von Attila als lästig empfunden. Er hatte einen riesigen Schädel, mit dem er Pablo bei Bedarf weg schob.

Der Winter kam mit viel Schnee und ich schürte im Haus den Kachelofen so kräftig ein, dass ich die Hitze nur in Leggins und T-Shirt ertragen konnte.
Plötzlich gab es einen Tumult vor dem Fenster. Ich konnte grade noch sehen, dass der Schafsbock, gefolgt vom Lama, das Holztor im Rennen durchbrach und beide in Richtung Straße rannten.
Schnelles Handeln war geboten. Ich griff, ohne näher hinzusehen, die erstbeste Fußbekleidung und merkte beim Verfolgen sehr bald, dass es sich um die großen, schweren Stiefel meines Mannes handelte. Egal, ich musste die beiden Ausreißer erwischen.
Attila bog in die Scheune ab. Gut so! Pablo jedoch nutzte die Gelegenheit und galoppierte aus dem Dorf in Richtung Hauptstraße. Panik meinerseits ließ mich auf der verschneiten Straße schneller rennen. Autos kamen mir entgegen und die Fahrer starrten mich an. Meine Kleidung wurde mir bewusst: Ich trug nur Unterwäsche und riesige Stiefel.

 

…wie die Geschichte ausgeht steht hier: „Über Lamas und Alpakas“, Gryphon-Verlag, 2009, ISBN: 978-3-935192-96-5

 

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